Hörst Du mir überhaupt zu? aarboard ag

Berichte und Interviews aus der Presse

Hier finden Sie einige wenige Beispiele von Publikationen über das Gordontraining in der Presse. Auf unserem Sekretariat sind Kopien von zahlreichen anderen Artikeln, Berichten, etc. erhältlich.

Erziehen - ein Seiltanz?

Nützen sie überhaupt etwas, die Erziehungsbücher und Elternkurse? Oder bringen sie blosse Theorie, die mehr verwirrt als hilft? Ein Erfahrungsbericht.

aus der Zeitschrift "frau und familie" 3/99

Da steht zum Beispiel der Bestseller von Thomas Gordon in meinem Regal. "Familienkonferenz". Wer kennt den Titel nicht! Schon vor Jahren habe ich das Buch gekauft und sofort, noch auf dem Heimweg, mit dem ersten Kapitel begonnen. Und kaum waren unsere Pampers-Helden am Abend im Bett, vertiefte ich mich erneut ins Buch.

Erste Schritte

Ich spürte, hier war eine gute Spur für mich, hier kamen Probleme zur Sprache, mit denen ich allein nicht fertig wurde. Von alltäglichen Machtkämpfen war die Rede, wie ich sie schon von unserem blondgelockten kleinen Sohn gewöhnt war. Bei diesen alltäglichen Zusammenstössen hatte ich mich halt irgendwie gewehrt, mit Tricks, Ablenkung und Ausweichmanövern. Oder auch mit Schimpfen, Strafen und Belohnen. Wohl war mir nicht dabei. "Ach Quatsch. Solche Erziehungsbücher nützen doch nichts!", belehrte mich ein Gast, der die "Familienkonferenz" auf dem Küchentisch entdeckte. "Bei Kindern verlässt man sich doch aufs Gespür!" Ich starrte bewundernd auf den gestandenen Vater mit Vollbart. Toll. Nur etwas machte mich stutzig: Warum lächelte seine Frau so zynisch? Hatte sie etwa Erziehungsbücher gelesen, heimlich? Oder hatte er gar nie mitbekommen, dass ihre gemeinsame Tochter ihre Turnsachen im Hausflur liegen liess, die Aufgaben vergass und stundenlang das Telefon blockierte und und und?

Plumps!

Dennoch, die Bemerkung verunsicherte mich. Ich musste zugeben, dass ich meine neue Aufgabe nicht im Griff hatte. Im Gespür hatte ich einzig noch Erinnerungen an meine eigene Kindheit. Nicht nur gute Erinnerungen! (Wie waren wir doch schüchtern, ängstlich und brav!) Und im Kopf hatte ich die Aufbruchstimmung der 70er Jahre, die Bilder von lustig geschminkten Kindern in Latzhosen, die endlich, endlich munter, laut und frech sich nach Lust und Laune austoben durften. Auch meine Kolleginnen lebten diesem Ideal nach und gewährten ihren Kindern grösstmögliche Freiheit. Aber ich war nicht glücklich damit. Ich stellte schon bald entsetzt fest, dass um die kleinen Freiheitskämpfer mein eigener Freiraum bedenklich schrumpfte.

Aufrappeln

In dieser Beziehung gab mir die "Familienkonferenz" neue Impulse. "Eltern sind Menschen, keine Gottheiten", las ich da. Das entspannte mich. Durch das ganze Buch zog sich der Grundgedanke, dass in einer Familie alle, Kinder und Eltern, das Recht haben auf die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Gordons Ziel ist ein faires Zusammenleben, gegenseitiges Verstehen und Achten. Bei Konflikten gilt es Lösungen zu finden ohne Verlierende. Dieser Gedanke packte mich. Den verstand ich sofort. Aber die Umsetzung der Idee, die hatte ich nicht im Gespür. Auch nach der Lektüre des Buches nicht. Nun hatte ich erst eine Ahnung davon.

Gymnastik

Jahre später - die Stimmen der Söhne waren noch kräftiger geworden, und schlauer wurden die Bürschchen - ging mir in einer besonders turbulenten Zeit die Kraft aus. Bei den Machtkämpfchen hatte ich keine Chancen mehr. Die energiegeladenen Sprösslinge hatten stärkere Nerven... "Konfliktlösungen ohne Verlierende", plötzlich ging mir der Satz wieder durch den Kopf, als tiefer Wunsch. Und als ich die Ausschreibung eines Gordon-Kurses entdeckte, meldete ich mich sofort an. Ich war zwar skeptisch nach all meinen Erfahrungen. Lassen sich Machtkämpfe wirklich vermeiden? Suchen lebhafte Kinder nicht einfach täglich harte Auseinandersetzungen? Schliesslich sass ich fünf Abende lang in einer Elternrunde. Ich staunte jedesmal neu: Drei Stunden lang arbeiteten wir konzentriert zusammen, diskutierten, übten spielerisch längere Gesprächsabläufe und ehrliche Ich-Botschaften. "Ich wusste gar nicht, dass Erziehen so schwierig ist", seufzte einmal eine Teilnehmerin erfrischend spontan. Offensichtlich hatte auch sie, eine herzliche, einfühlsame Frau, den Umgang mit ihren Kindern nicht einfach im "Gespür". Wie ich und viele andere kam auch sie an Grenzen und stolperte im Alltag. Ich fühlte mich verstanden.

Balanceübungen

Am meisten zu reden gab Gordons Methode, durch sogenanntes "aktives Zuhören" den versteckten Problemen der Kinder auf die Spur zu kommen. Dass verständnisvolles Hinhören ohne billige Besänftigungen, Belehrungen oder voreilige Ratschläge ein wütendes oder schmollendes Kind am meisten beruhigt, leuchtet ja ein. Aber wie bleiben Eltern in hektischen Alltagssituationen gelassen? Wie schaffen wir es, vor lauter Hinhören nicht unsere eigenen Bedürfnisse aus den Augen zu verlieren? Wir übten, übten. Manchmal kam ich mir vor wie eine Artistin bei ihren ersten Schritten auf dem hohen Seil. Ich verlor die Balance. Wirklich, das Zusammenleben mit Kindern, ja auch mit Erwachsenen, ist ein Seiltanz! Am Ende der ersten fünf Kursabende war ich denn auch recht erschöpft und froh über eine längere Pause.

Springen, tanzen, ruhen

Tja, und jetzt, was ist von dieser Elternschulung geblieben? Ist die Theorie ins Gespür gerutscht? Ganz klar, so schnell geht das nicht. Aber ich habe grundsätzlich eine andere Einstellung zu den Kindern bekommen. Längst will ich sie nicht mehr zurechtformen. Ich suche den Austausch mit ihnen, Gespräche, Klarheit über uns alle. Manchmal finden wir auch ganz unerwartete Konfliktlösungen. Aber Abstürze gibt es immer noch. "Die Methode von Gordon ist jetzt für euch wie ein neues Zimmer", hatte uns die Kursleiterin ermutigt. "Im Alltag wird es immer wieder passieren, dass ihr nach den alten, eingeschliffenen Mustern reagiert. Doch wenn ihr darüber unglücklich seid, könnt ihr in dieses Zimmer gehen und euch an eure neuen Möglichkeiten erinnern." Dieses Bild hat sich mir sehr eingeprägt. Ich mag mein neues Zimmer sehr. Ich möchte es noch ausbauen.

Barbara Loepfe

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Die Konferenz der Familie - der Kurs zum Buch

von Julia Littmann, aus der Zeitschrift unterwegs 10/September 1996

Die Aufzucht von Nachwuchs ist ein schwieriges Geschäft. Allenthalben werden Ratgeber angeboten und Methoden angepriesen, die Erwachsene darin unterstützen sollen, die Hege und Pflege der Kinder besser in den Griff zu kriegen. Einer der populärsten und erfolgreichsten Rat-Geber ist Thomas Gordon. Seine «Familienkonferenz» wurde gleich schon kurz nach ihrem Erscheinen vor 25 Jahren als «Erziehungsbestseller" gepriesen und gilt seither als «Klassiker». Der Autor hatte über die Konflikte zwischen Eltern und Kindern nachgedacht und Lösungen erarbeitet. Sein Buch war ein Knaller, die Botschaft von der niederlagelosen Methode des Umgangs in der Familie ein Hit.

Keine pädagogische Kuh ist dem weltweit erfolgreichsten pädagogischen Autor heilig: «Eltern können und werden inkonsequent sein», ist da zu lesen und «Eltern brauchen keine geschlossene Front zu bilden. In der «Neuen Familienkonferenz» keine Neuauflage, sondern ein Nachfolgewerk - kritisiert er gar Lob und Strafe im Umgang mit Kindern als kontrollierende Methoden, die wenig Erfolg versprechen. Aber welchen Erfolg peilt Gordon an? Die bis heute vielgelesene Mischung von Theorie und Praxis aus dem Erziehungsalltag hat das erklärte Ziel, die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern zu verbessern. Das Buch, so Gordon, bietet ein Erziehungsmodell an, «das wachsen und sich entwickeln kann, um die Beziehungen von Mensch zu Mensch demokratischer und zufriedenstellender zu gestalten».

Seit vielen Jahren werden die Erkenntnisse und taktischen Ratschläge der «Familienkonferenz» auch in Praxisseminaren weitervermittelt und eingeübt. Schliesslich hatte Gordon früh erkannt, dass die Eltern zwar «beschuldigt, aber nicht geschult» werden für eine Arbeit, die zu den schwierigsten zählt, die jemand haben kann». Die eindeutig guten Methoden (aktives Zuhören, Ich-Botschaften), die in den Gordon-Seminaren vorgestellt werden, bedürfen keiner eindeutig fortschrittlichen Familien-Philosophie: jeder kann an einem solchen Seminar teilnehmen. Wir waren gespannt darauf, wie es bei einem EItern-Training zugeht, und freuen uns, dass wir von Yvonne T. und ihren Kursteilnehmenden in Dielsdorf bei Zürich die Gelegenheit bekamen, einer samstäglichen «Trainingseinheit» beizuwohnen.

Wie bei jedem ordentlichen Training ist zunächst einmal Aufwärmen angesagt. Die Dehnübungen im Gruppenraum sind allerdings eher mentaler Art: Die Trainerin schlägt vor, dass die Teilnehmenden Adjektive aufschreiben, die möglichst verschiedene Gefühlslagen beschreiben, die sie von sich selber kennen: «Es gibt einfach viel viel mehr als nur oder ... ». Ja, tatsächlich, über dreissig Adjektive fallen den fünf Frauen und dem einen Mann ein, als sie überlegen, wie sie sich so hin und wieder fühlen: ängstlich, aufgeregt, übermütig, zornig, zufrieden. Nach diesem ersten kleinen Ausflug in die Gefühlswelt, lenkt Yvonne ihre Gruppe zurück zum letzten Kurs-Abend.

Aktives Zuhören stand da auf dem Programm. Zuhören ist an sich ja schon nicht ganz einfach. Aktives Zuhören will sogar noch mehr. Es will vermitteln: «Ich verstehe wirklich, was du erlebst, und ich akzeptiere deine Gefühle oder deine Gedanken dabei.» Aktives Zuhören ist also eine Gesprächs-Technik, die die eigene Annahmebereitschaft vermittelt. Welche Erfahrungen haben die Kursteilnehmenden seither zuhause mit dieser Methode gemacht? «Es fällt mir schwer, das in einer akuten Situation einzuhalten,» sagt Victoria, Und auch Prisca findet es schwierig: «Nach dem ersten Satz war ich immer fertig, länger konnte ich das nicht durchhalten.» Ja, man hat jetzt zwar immer im Kopf, was man gelernt hat,» stellt Rita fest, «aber das ist nicht ganz einfach.» Hans-Peter, Eliane, Maya und Marianne haben eher gute Erfahrungen gemacht.

Im Übungsbuch zum Gordon-Kurs sind Beispiele aufgeführt, an denen die Teilnehmenden lernen können, hilfreiche von blockierenden Entgegnungen beim aktiv Zuhören zu unterscheiden. Das Kind sagt: Ich hasse Schularbeiten, ich hasse den Unterricht und ich hasse die Lehrerinnen. Der Vater antwortet: Du musst heute eine schlechte Note erhalten haben! Was ist passiert? oder: Mit dieser negativen Einstellung wirst du es nie zu etwas bringen; oder: Du hasst einfach alles, was mit der Schule zusammenhängt. Welche der drei Vater-Antworten mag die Erfahrung des Kindes am zutreffendsten wiedergebend? Mit einigem Nachdenken werden die Kursteilnehmenden wohl bei Lösung drei landen. Im Alltag allerdings, gibt es keine Auswahl Und die "richtige" Reaktion will schnell gefunden sein.

«Zuhause geht das halt nicht in Slow-Motion ab», sagt Victoria, «das geht so schnell, da kann ich dann gar nicht mehr gross nachdenken.» Die Umsetzung des Gelernten ist schwierig. Das weiss auch Kursleiterin Yvonne - und sie hat Trost parat für die ungeduldigen Eltern: «Überlegt mal, wie gut ihr nach der Fahrprüfung autofahren konntet - und wie gut ihr heute fahrt.» Die nächste Übung führt zum Kapitel «unannehmbares Verhalten». Yvonne knallt ihr Rollbrett mitten in die Küche - ein Blatt Papier mit aufgemaltem Oval segelt in die Mitte des Stuhlkreises. Maya-Mutter: Du, bitte, sei so gut, nimm das Rollbrett weg. Yvonne-Kind: Ich hab keine Lust, mach's doch selber! Wie weiter? «Wenn du von dir sprichst», erklärt Yvonne, «ist die Chance grösser, dass das Kind keinen Widerstand leistet.» Ich finde Rollbretter in der Küche halsbrecherisch.

Um die kommunikations-hinderlichen Du-Botschaften loszuwerden, findet die folgende Übung statt. «Schreibt auf die Zettel, welche Du-Botschaften ihr am häufigsten an eure Kinder richtet!» Nach ein paar Minuten liest jede ihre Botschaften vor. «Du nervst!» - «Das hab ich auch», stellen gleich vier andere fest. «Du folgst nicht!» «Du musst jetzt pressieren!» Die Zettel werden in den Papierkorb geworfen, der in der Mitte aufgestellt ist. Jetzt ist die Zeit für Ich-Botschaften. Diese Form der Mitteilung erhält die Selbstachtung Und führt deshalb zu einer wirksamen Konfrontation.

Das Beispiel gibt Yvonne: Während sie den Kurs vorbereitet, hört der Sohn in Stadion-Lautstärke die neue CD. Was tun? Die Analyse zeigt folgende drei Stufen: Der Sohn hört laut Musik. Ich kann mich nicht konzentrieren. Ich fühle mich gestört und habe Angst, im Kurs zu versagen. Mit einer Meldung wie «Du machst dir die Ohren kaputt, wenn du so laut Musik hörst» kann der Sohn nichts anfangen. Hans-Peter schlägt eine (dreistufige) Meldung vor: «Du hörst so laut Musik, dass ich mich nicht konzentrieren kann und ich habe Angst, morgen im Kurs zu versagen.» Das muss einem halt erst mal einfallen im familiären Ernstfall!

Aber auch die Beispiele im Übungsbuch, die die Gruppe anschliessend gemeinsam durcharbeitet, kommen nicht ganz selbstverständlich daher: In unserer Familie haben wir abgemacht, im Haus nicht zu rauchen. Nun kommt der Sohn heim und zündet sich eine Zigarette an. Drei Stufen: Zunächst die Verhaltensbeschreibung ohne Vorwurf: Sohn raucht. Dann die konkreten Auswirkungen: ich muss Rauch einatmen. Schliesslich die Gefühle: Ärger, unwohl, enttäuscht. Daraus folgt die vorgeschlagene Ich-Botschaft: Ich fühle mich unwohl, wenn du rauchst, weil ich Rauch einatmen muss, und zudem bin ich enttäuscht, dass du dich nicht an unsere Abmachungen hältst. Uff. Pause.

Im nächsten Themenblock geht es um Widerstand: Räum auf, ich will Staub saugen! - Na Und? - Von hier aus schaukelt sich für gewöhnlich ein Konflikt auf, den jeder kennt. Gordon zeigt einen Ausweg. Wer es schafft, von der Konfrontation auf aktives Zuhören «umzuschalten», kann zu einer gemeinsamen Lösung finden. Warum? Weil sich niemand gerne mit Kritik konfrontieren lässt, ist es für den «Angegriffenen» hilfreich, sich in seinem Widerstand angenommen zu fühlen. Die Übung in der Gruppe soll das deutlich machen. «Viktoria,» sagt Mutter-Yvonne bestimmt, "ich möchte heute keinen grünen Traktor kaufen.» «Aber ich habe dir heute die Post geholt!» «Ich möchte einfach heute kein Geld für Spielsachen ausgeben.» Viktoria grinst: «Jetzt würde ich mich schreiend auf den Boden werfen!»

In der Rückrunde ist Yvonne das Kind, das seine Klamotten überall verstreut. Rita mahnt, es sei ihr lästig, immer ihre Kleider zur Wäsche zusammenzusuchen, sie soll sie bitte selber aufsammeln. «Wer liest denn schon gerne Kleider auf?» fragt Yvonne pampig, «ich bin doch keine Hausfrau!» Da platzt Rita der Kragen: «Na, hör mal!» Später dann, fragt Yvonne in die Gruppe: «Wie geht's euch dabei - beim Umschalten auf aktives Zuhören?» Einhellig stöhnen alle, es sei schwierig: die schnelle Reaktion ohne Umschalten ist einfach ein Automatismus. «Wie fühlt ihr euch denn selber, wenn ihr konfrontiert werdet?» will Yvonne wissen. Entwaffnet, beschämt, erniedrigt. Aha. Dieselben Gefühle hat das Kind auch bei einer Konfrontation. Vielleicht hilft diese Einsicht bei zukünftigen Konfrontationen weiter?

Wieviel nehmen die Teilnehmenden denn überhaupt mit nach Hause von einem Kursabend, wie sehr gehen die Partner auf die Anregungen ein, was verändert sich? Für Marianne hat sich viel geändert. Die Kindergärtnerin nimmt ihre neue Erfahrungen auch mit Gewinn in die Kindergruppe mit: «Es ist ein guter Hinweis, dass man auch Fehler machen kann und dann doch noch einsteigen kann auf einen besseren Umgang.» Sprich: wer spontan heftig reagiert hat, kann auch in der nächsten Runde noch durch aktives Zuhören die Gesprächssituation entspannen und konstrukiv mitgestalten.

Und nicht nur im Beruf, auch in der Partnerschaft wirken die anderen Umgangsformen. Allerdings ist das Engagement der Gatten und Väter höchst unterschiedlich. Während sich der eine überhaupt nicht dafür interessiert, was seine Frau hier eigentlich macht, ist der andere sehr aufgeschlossen. Darüber reden scheint dennoch schwierig: «Ich mach' jetzt einfach im Alltag ein paar Sachen anders und merke, es färbt was ab», sagt Maya. Familiensituation und Umgangsformen müssen also nicht unbedingt debattiert werden. Hier im Kurs allerdings, da ist es vor allem der offene Austausch, der allen gut tut und neue Einblicke Und Perspektiven schafft.

Nur ein Paar nimmt gemeinsam an diesem Kurs teil. Rita stellt fest, dass sich schon nach vier Kurs-Abenden viel verändert hat. Vor allem weiss sie nun, dass sie mehr Zeit und Geduld braucht. Und Hans-Peter denkt laut nach: «Muss ich eigentlich das Wort ‚folgen' aus meinem Wortschatz streichen, wenn ich einen Gordon-Kurs gemacht habe?» Manchmal, so fährt er fort, hätte er gern, dass ihm die Kinder folgen, ohne Begründung, einfach, weil sie es müssen. Yvonne gesteht, dass ihr das Wort nicht gefällt. «Ich möchte wirklich ein partnerschaftliches Verhältnis zu meinen Kindern haben. Und von meinem Partner würde ich auch nicht wollen, dass er mir folgt.» Allerdings setzt jeder das hier gelernte in seinem eigenen Leben und im Rahmen seiner Möglichkeiten um, sagt Yvonne. Das heisst, die erlernten Methoden verlangen nicht nach neuen Strukturen in der Familie, sondern sie bescheren ein anderes Repertoire an Umgangsformen. Die allerdings könnten viel Veränderung auf den Weg bringen.